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ENIT in der FAZ

Kai Klapdor und Pascal Benoit, Geschäftsführung ENIT
Kai Klapdor und Pascal Benoit, Impulsgeber bei ENIT

Wenn die Software den Stromkontrolliert

Hohe Stromkosten und überraschende Verbrauchsspitzen waren gestern: Wie vier Freiburger Unternehmer die deutsche Industrie auf Energieeffizienz trimmen.

Man stelle sich vor, Energie würde immer teurer und keinen interessiert es. Was abwegig klingt, ist nach der Erfahrung von Pascal Benoit und Kai Klapdor im deutschen Mittelstand eher die Regel als die Ausnahme: Strom und Gas sind einer der größten Kostenpositionen in der Bilanz. Doch Maßnahmen zur systematischen Erfassung, Steuerung und Senkung des Energieverbrauchs haben in vielen Industriebetrieben Seltenheitswert...

Weil die Welt der Unternehmen aus Sicht der ökologisch bewegten Mittdreißiger nicht bloß so bleiben soll, wie sie ist, gründeten sie kurzerhand selbst eines – das heute, fünf Jahre später, für mehr als 200 Kunden Energieströme optimiert, Kosten und Kohlendioxid gleichermaßen reduzieren hilft und Anfang des kommenden Jahres erstmals schwarze Zahlen schreiben, also Gewinne erwirtschaften dürfte.

Unternehmenssitz der Enit Energy IT Systems GmbH ist das südbadische Freiburg. Wie ihre gleichaltrigen Mitgründer Simon Fey und Hendrik Klosterkemper haben Benoit und Klapdor ihr technisches Handwerk am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme gelernt. Das renommierte Institut liegt in der Studentenstadt nur einen Steinwurf entfernt, der Austausch ist nach wie vor eng. Zu mehr als 60 Prozent gehört Enit aber den vier Gründern. Man wolle um jeden Preis unabhängig bleiben, beteuert Enit-Geschäftsführer Klapdor. Erst kürzlich habe man die Investitionsanfrage eines Energieversorgers abgelehnt. Das Interessevonaußen macht deutlich: Das Geschäft scheint zu laufen. Dabei ging es vor drei Jahren erst richtig los. Erster Kunde war ein Freiburger Kieswerk.Mittlerweile vertrauen auch Industriekonzerne wie der Leverkusener Chemieriese Covestro auf die Expertise aus dem Südwesten. Mit 1,35 Terawattstunden erfasst die Enit-Software ein 170stel des Gesamtstromverbrauchs der deutschen Industrie. Im Mai diesesJahres wurde ihre Arbeit im „InnovationHUB“-Wettbewerb des Verbands der Elektrotechnik prämiert. Die Gründer üben sich dennoch in betonter Zurückhaltung. Behutsam wolle man wachsen, die 23 Köpfezählende Truppe, von denen nur jeder Vierte nicht Inge-nieur oder Softwareentwickler ist, nicht auf Teufel komm raus vergrößern. Man habe erst einer Person gekündigt, sagen Benoit und Klapdor. Das prahlerische Dampf plaudernder Beraterszene ist ihre Sache nicht. Ihr Stolz ist jene Software, die sie in erster Fassung noch zu Fraunhofer-Zeiten eigens mitentwickelt haben, und die Enit zurzeit noch von Mitbewerbern aus der Messtechnikbranche abhebt.

Wie sie zum Einsatz kommt, ist schnell erklärt: Will ein Betrieb Energiekostensparen, kann er sich bei dem Freiburger Start-up einen handelsüblichen Industriecomputer mit ein paar zusätzlichen Hardwareelementen bestellen. Die in Fernost gefertigten Bauteile passen kompakt in eine Box, kaum größer als ein Schuhkarton, die Zustellung erfolgt direkt vom Zulieferer an den Kunden. Weil alles nicht nur schnell, sondern auch so einfach wie möglich sein soll, kann ein Elektriker den Anschluss an Zähler und Trafostation mittels Videoanleitung in 5 bis 10 Minuten selbst vornehmen. Dann brauche der Kunde nichts weiter zu tun, als den Rest den Fachleuten von Enit zu überlassen, erklärt Mitgründer Benoit.„Im Wesentlichen macht die Software alles selber“, sagt er. Will meinen: Der Energieverbrauch in der Produktion wird sekundengenau erfasst, so dass schnell klar wird, wo Nachfrageschwankungen durch ein präzises Management geglättet werden können. Solche Lastspitzen sind tatsächlich ein dicker Brocken in der Stromrechnung von Industriebetrieben; abgerechnet werden die jeweils 15 Minuten mit dem höchsten Verbrauch im Jahr, da diese das Netz besondersbeanspruchen. Bei plötzlich auftretenden Verbrauchsspitzen schlägt die Software Alarm, etwa nachdem ein Blockheizkraftwerk ausgefallen ist und für gewöhnlich automatisch teurer Strom dazugekauft werden würde.

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