Spezialisiertes Lastmanagement für atypische Netznutzung 

     

    Das Wichtigste in Kürze

    Die atypische Netznutzung bietet Industriebetrieben mit Mittelspannungsanschluss die Möglichkeit, ihre Netzentgelte zu senken, indem sie ihre Jahreshöchstlast gezielt aus den Hochlastzeitfenstern des Netzbetreibers heraushalten.

    Wer die Voraussetzungen erfüllt und das beim Netzbetreiber anmeldet, wird nur noch auf die abgesenkte Lastspitze bepreist.

    • Mindestanforderung: 20 % Lastreduktion während der Hochlastzeitfenster gegenüber der Jahreslastspitze

    • Zusatzoption: Betriebe nahe der 2.500-Jahresbenutzungsstunden-Grenze können per Wahloption zusätzlich günstigere Energietarife sichern

    • Beispiel zur atypischen Netznutzung: Ein Industriebetrieb reduziert seine Kältelast automatisiert in den Wintermonaten und spart damit rund 70.000 Euro jährlich an Netzentgelten

    Große Endabnehmer wie Industriebetriebe können durch vorausschauende Lastanpassung im Rahmen der atypischen Netznutzung ihre Netzentgelte erheblich reduzieren, sowohl auf der Leistungs- als auch auf der Energieseite.

    Grundlage dafür sind finanzielle Anreize, die Netzbetreiber gezielt setzen, um die Netzbelastung in Hochlastzeiten zu reduzieren. Welche Voraussetzungen dafür gelten und wie hoch das Einsparpotenzial konkret ausfällt, erfahren Sie in diesem Artikel.

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    Potenzial? Jetzt herausfinden! 

    Wir helfen Ihnen, schaltbare Verbraucher zu erkennen und Ihren Lastgang durch intelligente Algorithmen zu erfassen und zu steuern. Dabei starten wir immer mit einer Potenzialanalyse. Hier können Sie ein Beispiel für eine Lastmanagement Potenzialanalyse kostenfrei herunterladen: 

    Was ist eine atypische Netznutzung?

    Atypische Netznutzung bezeichnet eine Sonderform der Nutzung, die in § 19 StromNEV verankert ist. Mit dieser Form der Nutzung können Stromverbraucher (typischerweise Industriebetriebe mit Mittelspannungsanschluss) ihre Netzentgelte zu senken. Stromverbraucher reduzieren ihre Netzentgelte, indem sie ihre Jahreshöchstlast gezielt außerhalb der vom Netzbetreiber definierten Hochlastzeitfenster (HLZF) halten und dies gegenüber dem Netzbetreiber formal nachweisen. Die HLZF variieren je nach Netzgebiet und Saison; häufig liegen sie nur in den Wintermonaten.

    Wer seine Last während dieser Fenster um mindestens 20 % gegenüber der Jahreslastspitze reduziert, wird nur noch auf diese abgesenkte Spitze bepreist. Ergänzend können Betriebe nahe der 2.500-Jahresbenutzungsstunden-Grenze durch eine Wahloption zusätzlich günstigere energiebezogene Netzentgelte sichern.
    Ein automatisiertes Lastmanagementsystem stellt sicher, dass die Grenzwerte in jedem Hochlastzeitfenster zuverlässig eingehalten werden.
     

    Netzentgelte reduzieren: Voraussetzungen und Einsparpotenzial

    Neue Herausforderungen für die lokalen Stromnetze 

    Die Dynamik im Stromnetz hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Durch den zunehmenden Einsatz erneuerbarer Energiequellen wie Wind- und Solarenergie und die gleichzeitig wachsende Variabilität in den Energieverbräuchen der Endabnehmer werden die Netze vor neue Herausforderungen gestellt. Hochlastzeiten, in denen die lokalen Stromnetze besonders stark ausgelastet sind, treten häufiger auf.

    Dies führt dazu, dass Stromnetze kurzzeitig an Kapazitätsgrenzen stoßen und Netzbetreiber gezwungen sind, Maßnahmen zu ergreifen, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Netzbetreiber ermitteln daher jährlich die typischen täglichen Hochlastzeiten im lokalen Stromnetz bezogen auf die verschiedenen Jahreszeiten. Häufig treten Hochlastzeiten beispielsweise nur in den Wintermonaten auf. 

    Neue Chancen für Industriebetriebe mit Spitzenlastmanagement

    Insbesondere große Endabnehmer wie z. B. Industriebetriebe werden durch finanzielle Anreize dazu motiviert, ihre Leistungsaufnahme in solchen Hochlastzeiten zu reduzieren. 

    Diese Betriebe profitieren durch ihre vorausschauende Lastanpassung von deutlich reduzierten Netzentgelten, welche nurmehr auf die reduzierte Lastspitze während der Hochlastfenster berechnet werden. Konkret müssen Industriebetriebe mit Stromentnahme auf Mittelspannungsebene ihre Jahreslastspitze während der Hochlastzeiten um mindestens 20 % reduzieren, um die atypische Netznutzung einzuhalten und sparen dabei mindestens ein Fünftel ihrer Netzentgelte. Je größer die Lastanpassung, desto höher ist die resultierende Kosteneinsparung. 

    Zusätzlich bieten einige Netzbetreiber die Option an, durch die Wahl des günstigeren Netzentgelt-Tarifs für Betriebe mit mehr als 2.500 Jahresbenutzungsstunden weitere Kosten zu sparen und dadurch Netzentgelte zu optimieren . Durch die atypische Netznutzung können Betriebe somit nicht nur ihre Kosten für die bezogene Leistung reduzieren, sondern zusätzlich erhebliche Einsparungen bei der bezogenen Energie erzielen. 

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    Für welche Betriebe ist die atypische Netznutzung interessant? 

    Folgende Merkmale zeigen Potenzial für die Teilnahme an der atypischen Netznutzung auf:  

    • Hohe Lastspitzen besonders in den Sommermonaten, z. B. durch Kühlprozesse 
    • Reduktion der Jahreslastspitze um mindestens 100 kW realistisch 
    • Pufferspeicher für thermische Energie vorhanden 
    • Flexible Verbraucher mit hohen Lastbezügen in den Sommermonaten vorhanden 

    Das automatisierte Lastmanagement Enit act bietet darauf aufbauend die Funktionalität, Lasten speziell während der definierten Hochlastzeiten zu regulieren, sodass die atypische Netznutzung sicher gewährleistet wird.  

    Weitere Informationen zu konkreten Lastmanagement-Anwendungen und zur Identifikation flexibler Verbraucher erhalten Sie in unserer Webinar-Aufzeichnung:  

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    Wie werden Hochlastzeitfenster ermittelt?

    Der Netzbetreiber bildet für jedes der 96 Tages-Zeitfenster (à 15 Minuten) das Maximum aller gemessenen Viertelstundenwerte über alle Tage einer Jahreszeit, getrennt nach Netz- und Umspannungsebene.

    Jedes Zeitfenster, dessen Maximalwert 95 % des saisonalen Jahreshöchstwerts überschreitet, gilt als Hochlastzeitfenster. Bei einem Jahresmaximum von 1 MW liegt die Schwelle damit bei 950 kW

    Wie und bis wann meldet man die atypische Netznutzung an? 

    Verbraucher müssen die Anmeldung zur atypischen Netznutzung für das jeweilige Kalenderjahr bis zum 30. September beim zuständigen Netzbetreiber einreichen, um individuelle Netzentgelte geltend machen zu können.

    Sollte sich dabei herausstellen, dass keine atypische Nutzung vorliegt, so werden die normalen Leistungs- und Arbeitspreise berechnet.

    Anwendungsfall aus der Praxis: Realisieren von atypischer Netznutzung durch Abregelung von Kältekompressoren 

    Anhand eines realen Praxisfalls werden das Potenzial und die Vorgehensweise eines Kunden beschrieben, der die Teilnahme an der atypische Netznutzung zur Kostenreduktion nutzt.  

    Potenzial des Industriebetriebs 

    Der Industriebetrieb macht bereits seit mehreren Jahren Gebrauch vom Enit agent Energiemonitoring. Durch die Software-Features zur Analyse der Lastspitze und die Erkenntnisse über die betriebliche Lastcharakteristik, welche mithilfe der Jahresdauerlinie ermittelt werden kann, erlangte der Betrieb schnell Transparenz über die saisonal geprägten Lastspitzen. Besonders in den Sommermonaten, wenn die Kühlanlagen aufgrund der hohen Außentemperaturen intensiver betrieben werden, erreicht der Betrieb regelmäßig hohe Lastspitzen. 

    Jährlich sieht sich der Kunde mit erheblichen Energiekosten konfrontiert, wovon die Netzentgelte mit einer Lastspitze von über 2.000 kW einen erheblichen Anteil ausmachen, wie er der monatlichen Stromrechnung entnimmt. 

    Zudem bewegt sich der Betrieb nahe an der Grenze von 2.500 Jahresbenutzungsstunden, welche über den Tarif der Netzentgelte entscheiden. Unterhalb der Grenze wird die Energie stärker bepreist, oberhalb fällt die Lastspitze stärker ins Gewicht. 

    Saisonale Verschiebung als entscheidender Vorteil 

    Da die Hochlastzeiten im Netzgebiet des Industriebetriebs bisher ausschließlich in den Herbst- und Wintermonaten liegen, erkennt der Kunde schnell das Potenzial, durch leichte Lastanpassungen in den entsprechenden Zeiten, die Kriterien für die atypische Netznutzung zu erfüllen und dadurch erhebliche finanzielle Entlastungen zu erreichen.  

    Für das kommende Jahr meldet sich der Betrieb zur atypischen Netznutzung an und vereinbart mit dem Netzbetreiber zusätzlich eine Wahloption. Diese ermöglicht dem Betrieb, stets den Tarif für mehr als 2.500 Jahresbenutzungsstunden zu erhalten und dadurch zusätzlich von sehr günstigen Netzentgelten für die bezogene Energie zu profitieren.  

    Es wird dem Betrieb zukünftig nur noch die verringerte Lastspitze aus den Hochlastzeiten verrechnet und durch den Tarif für über 2.500 Jahresbenutzungsstunden gleichzeitig der Jahresenergieverbrauch mit dem deutlich günstigeren Preis belastet. Damit spart der Kunde in Summe über beide Preisbestandteile ca. 70.000 Euro pro Jahr

    Die Schritte des Kunden zur Umsetzung der atypischen Netznutzung durch ein automatisiertes Lastmanagementsystem 

    Zur erfolgreichen Reduzierung der Lastspitze während der Hochlastzeitfenster braucht der Kunde ein automatisiertes System, welches die Einhaltung der maximal zulässigen Lastspitze reibungslos gewährleistet und dabei den Produktionsprozess nicht gefährdet oder behindert.  

    Der erste Schritt besteht in der Identifikation flexibler Verbraucher im Betrieb. In einem gemeinsamen Workshop beim Kunden vor Ort konnte das Energiesystem des Betriebs mit Erzeugern und Verbrauchern genau verstanden werden. Es wurden schnell einige leistungsstarke Verbraucher im Bereich der Kälteerzeugung durch elektrische Kompressoren ermittelt, welche aufgrund vorhandener Pufferspeicher ein kurzzeitiges Abschalten zulassen ohne eine Unterbrechung von Betriebszuständen zu verursachen.

    Die angestrebten Lastspitzen-Grenzwerte zur Einhaltung der atypischen Netznutzung werden aus dem Energiemonitoring abgeleitet und festgelegt.  

    Parametrierung und Inbetriebnahme des Lastmanagementsystems 

    Im nächsten Schritt werden die verbraucherspezifischen Parameter wie z. B. maximale Abschaltzeiten und maximal zulässige Abregelungsgrade sowie die technischen Ansteuerungsmöglichkeiten durch verschiedene Kommunikationsprotokolle abgesteckt.  

    Abschließend wird das Lastmanagementsystem Enit act speziell auf die saisonal wechselnden Hochlastzeitfenster im Netzgebiet und die festgelegten Lastspitzen-Grenzwerte des Kunden eingestellt. Die Ansteuerung und Parameter für die einzelnen Verbraucher werden implementiert. Die Parametrierung kann zukünftig einfach angepasst werden, wenn sich z. B. die Lastsituation im Unternehmen oder die rechtlichen Vorgaben aus der atypischen Netznutzung verändern. So wächst das Lastmanagementsystem stets mit dem Unternehmen.  

    Sobald der Enit act vor Ort installiert ist, werden die Anlagen bei Bedarf innerhalb der Hochlastzeiten automatisch gesteuert. Dabei wird kontinuierlich die Last am Netzanschlusspunkt des Betriebs beobachtet. Das System greift nur in Momenten ein, in denen die mittlere Last einer Viertelstunde den vom Betrieb festgelegten Grenzwert überschreiten würde, sodass die Flexibilität der Verbraucher nur in den wirklich notwendigen Viertelstunden genutzt wird.

    Ein Ladelastmanagement ist damit einer der Zielpunkte eines umfassenden Energiedatenmanagements. Hier werden Daten systematisch analysiert und ausgewertet, woraus sich eine Handlungsempfehlung ergibt. Diese wird dann durch das System automatisch ausgeführt, optimal für ein Energiedatenmanagement mit wenig Aufwand.

    In untenstehender Abbildung wird ein beispielhafter Lastverlauf eines Tages mit Hochlastzeitfenster gezeigt. Während der Hochlastzeit ist der Lastbezug des Unternehmens um mindestens 20 % im Vergleich zur Jahreslastspitze abgesenkt. Das Lastmanagement sichert dieses Verhalten ab, indem es in kritischen Momenten kurzzeitig die definierten Anlagen innerhalb der erlaubten Rahmenbedingungen abregelt.  

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    Der Kunde kann die Schaltvorgänge des Lastmanagements in Echtzeit in seinem Energiemonitoring einsehen und behält so die Kontrolle und Transparenz über die geregelte Lastspitzensituation. Dies gibt ihm nicht zuletzt Evidenz über die erfolgreich umgesetzte atypische Netznutzung gegenüber dem Netzbetreiber.  

    Ergebnis: Kontinuierliche Einsparungen und langfristige Vorteile für den Industriebetrieb  

    Durch den Einsatz des Lastmanagementsystems profitiert der Kunde von langfristigen Vorteilen.  

    • Jährlich wiederkehrende Einsparung von Netzentgelten:  Der Kunde erzielt eine jährliche Einsparung bei den Netzentgelten von rund 70.000 Euro. Dies bringt dem Kunden Jahr für Jahr eine starke finanzielle Entlastung.
    • Intelligenter Einsatz betrieblicher Ressourcen – ein Beitrag zur Netzstabilität:  Durch das klare Verständnis des betrieblichen Energiesystems wurden Erzeugungsanlagen wie BHKWs optimal programmiert, um den energieeffizienten Betrieb und das Senken der Lastspitzen zu Hochlastzeiten zu optimieren. Der Kunde trägt dabei, neben einer intelligenten Nutzung der betrieblichen Ressourcen, als energieintensiver Endabnehmer maßgeblich zur Netzstabilität des lokalen Stromnetzes bei, indem die Netzbelastung in kritischen Zeiten reduziert wird.  
    • Bereit für zukünftige Herausforderungen:  Durch das implementierte Lastmanagementsystem erhält der Kunde ein tiefes Verständnis für die Flexibilitäten im Betrieb und besitzt ein aktives technisches System zur Ansteuerung von Anlagen. Dies positioniert den Kunden optimal für die Nutzung weiterer Lastmanagement-Anwendungen, um weitere Energie- und Kosteneffizienzmaßnahmen umzusetzen und von zukünftigen regulatorischen Anreizen profitieren und finanzielle Vorteile ausschöpfen zu können. 

    Unser Praxistipp

    Die Umsetzung des Lastmanagementsystems und die daraus resultierenden Kosteneinsparungen demonstrieren, wie betriebliche Flexibilitäten zur Optimierung von Energiekosten genutzt werden können. Diese Strategie bietet finanzielle Vorteile und erhöht maßgeblich die Flexibilität und Zukunftssicherheit des Betriebs. Entscheidend ist dabei, zunächst Transparenz über die eigene Lastcharakteristik zu schaffen, etwa über die Jahresdauerlinie, und anschließend flexible Verbraucher mit vorhandenen Pufferspeichern zu identifizieren